03.11.2008 von P. Grabe - Als sich die Selbsthilfegruppe der Übergewichtigen –BMI>26- im Bohmter Kotten am 20.10.2008 traf, hatte sie als Gast die individualpsychologische Referentin und Ermutigungstrainerin Annette Brassler eingeladen (die durch den VFG Bohmte Vermittelt worden ist), die der 12- köpfigen Gruppe eine Einführung in das Thema des „Ermutigungstrainings“ (Encouraging- Training Schoenaker- Konzept) gab. Es wurden zunächst einige Begriffe der Individualpsychologie (Gemeinschaftsgefühl, Zielorientiertheit, Gleichwertigkeit) erläutert und den Teilnehmern in dem locker zusammengestellten Stuhlkreis wurde klar gemacht, dass jeder Mensch, unabhängig von Beruf, Aussehen etc. (und natürlich auch Gewicht ) nicht mehr oder weniger wertvoll sei, als irgendein anderer Mensch auf der Welt.
Jeder sei ein einzigartiges Individuum, das im Ursprung danach strebe, in einer harmonischen Gemeinschaft (Partnerschaft/Familie/Arbeit/Verein/Gruppe etc.) ein selbst bestimmtes, zufriedenes und glückliches Leben zu führen. Dies sei nur auf der Basis eines sozialen Gleichwertigkeitsgefühls möglich (statt Minderwertigkeitsgefühl / Froschperspektive oder Überheblichkeitsgefühl /Vogelperspektive). So hat das zehnteilige Ermutigungstraining, über das Frau Brassler sprach, sowohl das Ziel der Stärkung des Selbstwertgefühls als auch die Verbesserung der sozialen Kompetenzen. Minderwertigkeitsgefühle seien genauso unnötig und unangebracht wie Gefühle der Überheblichkeit und würden das menschliche Miteinander nicht bereichern.
Gemeinsam mit der gesamten Gruppe wurde im Brainstorming zunächst erarbeitet, was eigentlich unter Entmutigung/entmutigt zu verstehen ist. (es wurden folgende Begriffe genannt: Misserfolg, Ausgrenzung, keine Anerkennung, kein Job, ständige Kritik, Beleidigungen, Verletzungen, Angst, Einsamkeit, man fühlt sich klein, hilflos, armselig, eingeschüchtert, depressiv, schwach, ausgeschlossen, leer, minderwertig, man schämt sich, resigniert, blockiert oder verbarrikadiert sich). Im Anschluss darin beschäftigte sich die Gruppe mit den Gefühlen, die entstehen, wenn man ermutigt ist. (Hier fielen folgende Begriffe: euphorisch, stark, fröhlich, voller Energie, glücklich, Tatendrang, sexuell attraktiver, kraftvoll, selbstbewusst, offener, sanftmütiger, gelassener, „wie auf Koks“, unangreifbar, zufriedener, ausgeglichener, fähiger anderen Hilfe zu gewähren, offener für Liebe, hilfsbereiter, Selbstwertgefühl steigt, leistungsfähiger, Lust am Leben, Lebensqualität steigt). Frau Brassler war sehr erfreut über die konstruktive, ergiebige Gruppenarbeit, die innerhalb weniger Minuten von allen Teilnehmern bereichert wurde und brachte die gesammelten Erkenntnisse in unmittelbaren Zusammenhang zu Misserfolgen bzw. Erfolgen im Lebensalltag.
Bild oben; einige der Teilnehmer in dem locker zusammengestellten Stuhlkreis von BMI>26
Unter den Vorzeichen der Entmutigung könne der Lebensalltag schwerlich erfolgreich und zielgerichtet gestaltet werden. Wir Menschen würden leider dazu neigen, uns auf unseren Schwächen zu definieren, (uns selbst Entmutigen) anstatt uns auf unsere Stärken und Fähigkeiten, die jeder Mensch habe, zu besinnen und zu orientieren (uns selbst ermutigen). Durch häufige Entmutigung, auch durch andere Personen, aber oftmals durch uns selbst, käme uns allen leider immer mal wieder das Selbstwertgefühl abhanden und es sei deshalb wichtig, (hier auch mit Unterstützung der gesamten Gruppe) dieses zu stabilisieren. Frau Brassler machte deutlich, dass zu allen Zeiten im Leben mit einem stabilen Selbstwertgefühl und einem gesunden Gemeinschaftsgefühl neue Wege und Ziele beschritten und erfolgreich verfolgt werden können.
Bei der Gelegenheit: Die bisherigen Erfolge der Selbsthilfe-Gruppe: - Nach groben Schätzungen hat die Gruppe innerhalb eines dreiviertel Jahres (14 Mitglieder) bisher etwa 200 Kg abgenommen !!!- Glückwunsch!!)
Die 10 Einheiten des Ermutigungstrainings werden üblicherweise mit 8 – 12 Personen im 1 –Wochenabstand angeboten. Es sei von großem Vorteil, sich ein so genanntes „Wachstumsbuch“ (statt Loseblattsammlung) anzulegen, in dem alle persönlichen Erfahrungen und Übungen schriftlich zum späteren Nachlesen festgehalten werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, der Wunsch, an sich selbst zu arbeiten und die Bereitschaft zur Eigenverantwortlichkeit, allerdings Voraussetzung.
Jede Einheit (a 2,5, Zeitstunden) hat einen ganz bestimmten Ablauf:
1) Entspannung im Stuhlkreis (zum Ankommen und Einstimmen auf die jeweilige Einheit)
2) Rückmeldung in Kleingruppen zur Umsetzung der Trainingsaufgabe der Vorwoche
3) Info/Thema der Einheit (z.B. Stärken, Fähigkeiten, Ziele etc.)
4) Übung (meist Formulieren von persönlichen Sätzen, z.B. „ich finde gut an mir, dass…..)
5) Trainingsaufgabe (Umsetzung, z.B. wie ich eine andere Person ermutigt habe, od. welches Ziel ich mir gesetzt und auch umgesetzt habe)
6) Abschlussentspannung als „Brücke“ zum Alltag.
Frau Brassler gab am Schluss den Teilnehmern noch eine so genannte „Übung“ des Ermutigungstrainings mit auf den Weg nach Hause. Jeder solle sich einmal bewusst überlegen, was er denn GUT an sich selbst fände. „Ich finde gut an mir, dass…“ Das könnten ganz einfache Eigenschaften sein, es sei nur eben wichtig, diese ganz bewusst wahrzunehmen, zu erkennen und auch dazu zu stehen und es nicht als selbstverständlich zu sehen. Das sei der Anfang aller Selbstermutigung. Das Training sei gut geeignet, um mit sich selbst und anderen im Alltag sowohl gelassener als auch erfolgreicher umgehen zu lernen, und somit die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe zu unterstützen, gemeinsam persönliche Erfolge zu erzielen. Bisher ausgewertete, nachlesbare Umfragen, im Anschluss an solche Trainings, bestätigten die Effektivität (ausschließlich zahlreiche positive Veränderungen) des Konzeptes.